StartRatgeber › Wenn du die Person findest

Du findest die vermisste Person. Was jetzt?

RD Von Robin Dill · Stand: 8. August 2026 · 7 Min. Lesezeit

Man stellt es sich als den guten Moment vor. Er ist auch einer — aber er ist heikel. In den ersten Sekunden nach dem Fund werden Fehler gemacht, die alles wieder verschlimmern können.

Das Wichtigste in Kürze

Die ersten zehn Sekunden

  1. Stehen bleiben Der Impuls ist zu rennen. Genau das kann ein verängstigtes Kind zur Flucht bringen — in eine Richtung, die niemand kontrolliert, womöglich auf eine Straße oder ins Wasser.
  2. Klein werden In die Hocke gehen. Eine stehende erwachsene Person wirkt aus Kinderperspektive groß und bedrohlich, besonders in Warnweste und im Dunkeln.
  3. Leise sprechen, den Namen sagen „Lisa. Ich bin hier, um dir zu helfen. Es ist alles gut.“ Kurz, ruhig, wiederholt. Kein Vorwurf, keine Frage nach dem Warum.
  4. Warten, statt zu greifen Lass die Person auf dich zukommen, wenn sie kann. Wer greift, riskiert Panik — und bei autistischen Kindern kann Berührung eine massive Reaktion auslösen.
  5. Zwischen Person und Gefahr stellen Wenn Wasser, eine Straße oder ein Bahngleis in der Nähe ist: unauffällig so positionieren, dass der Weg dorthin blockiert ist. Ohne hektische Bewegung.
Besonders bei autistischen Kindern Kein lautes Rufen, kein Blitzlicht, keine Menschentraube. Reizarm bleiben. Wenn möglich, soll nur eine Person sprechen — die anderen halten Abstand und bleiben still.

Melden — sofort und an beide Stellen

Zwei Meldungen, in dieser Reihenfolge:

  1. Notruf. 112 bei Verletzung, Unterkühlung oder Bewusstlosigkeit. 110, wenn die Person unverletzt wirkt. Nenne deinen Standort so genau wie möglich.
  2. Einsatzleitung der Suche. Damit die Suche endet. Ein Fund, der nicht gemeldet wird, lässt hundert Menschen weitersuchen — manche davon nachts, im Wasser, an der Bahnstrecke.
Standort durchgeben, wenn du keine Adresse hast Im Wald hilft „bei der dritten Bank“ niemandem. Nutze die Koordinaten deines Telefons (in den meisten Karten-Apps durch langes Drücken auf die eigene Position abrufbar), eine Rettungspunkt-Nummer, wenn ein Schild in der Nähe steht, oder die Kartenfunktion der Such-App. Sag zusätzlich, von welcher Seite man am besten heranfährt.

Wenn die Person verletzt oder unterkühlt ist

Der schwerste Fall

Es kommt vor, dass eine Suche tödlich endet. Dieser Abschnitt ist unangenehm, aber wer mitsucht, sollte ihn vorher gelesen haben.

Bei einem tödlichen Fund gilt

Danach: auch an dich denken

Wer eine vermisste Person findet — lebend oder nicht — steht danach oft unter Anspannung, auch wenn im Moment alles funktioniert hat. Das ist normal. Sprich mit jemandem darüber. Bei Einsätzen mit Rettungsdiensten gibt es psychosoziale Notfallversorgung; danach zu fragen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Erfahrung.

Häufige Fragen

Soll ich sofort hinlaufen und rufen?

Nein. Lautes Rufen und schnelles Zulaufen erschrecken und treiben eine verängstigte Person weiter weg. Bleib stehen, mach dich klein, sprich ruhig und leise, und lass die Person auf dich zukommen.

Was sage ich als Erstes?

Den Namen, ruhig, und einen einfachen Satz: „Ich bin hier, um dir zu helfen. Es ist alles gut.“ Keine Vorwürfe, keine Fragen nach dem Warum. Das kommt später und nicht von dir.

Darf ich die Person anfassen?

Nur wenn nötig, etwa zur Absicherung vor Gefahr oder bei Erster Hilfe. Bei autistischen Kindern kann Berührung Panik auslösen. Frag, wenn es geht, und kündige jede Berührung an.

Was mache ich bei einem tödlichen Fund?

Nichts berühren und nichts verändern. Position merken, wenn möglich einen Standort festhalten, Abstand halten und sofort 110 und 112 wählen. Der Fundort kann ein Ereignisort sein und muss unverändert bleiben.

Wem melde ich den Fund?

Zuerst dem Notruf, dann der Einsatzleitung der Suche. Damit die Suche endet und niemand weitersucht. Ein Fund, der nicht gemeldet wird, bindet stundenlang Kräfte.

RD
Robin Dill

Gründer von SUCHE. Entstanden ist es aus der Beobachtung, wie viel bei einer Suche verloren geht, wenn niemand den Überblick teilt. Dieser Text ist nach den unten genannten Quellen zusammengestellt und ersetzt keine Anweisung von Polizei oder Rettungsdienst — im Zweifel gilt immer, was die Einsatzkräfte vor Ort sagen.

Quellen
  1. Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes — https://www.polizei-beratung.de/
  2. Deutsches Rotes Kreuz — Erste Hilfe: Auffinden einer Person — https://www.drk.de/hilfe-in-deutschland/erste-hilfe/
  3. Commonwealth of Massachusetts — Autism, Wandering and Water Safety: Information for Emergency Responders — https://www.mass.gov/info-details/autism-wandering-and-water-safety-information-for-emergency-responders
  4. National Center for Missing & Exploited Children — Autism Resources for First Responders — https://www.missingkids.org/theissues/autism
Kennst du dich damit besser aus als ich? Dieser Text ist von einem Entwickler zusammengetragen, nicht von einer Fachkraft. Wenn du bei Feuerwehr, DLRG, THW, einer Rettungshundestaffel oder der Polizei bist und hier etwas falsch oder unvollständig ist: schreib mir. Ich korrigiere es und nenne die Quelle. Das gilt genauso für juristische Hinweise — beim Datenschutz gibt es hier noch offene Punkte.

Vorbereitet sein kostet nichts

SUCHE koordiniert Suchaktionen für vermisste Kinder und Haustiere: Sektoren statt Chaos, eine gemeinsame Karte, gebündelte Hinweise. Kostenlos, ohne Werbung, in 14 Sprachen.

Kostenlos registrieren
Weiterlesen Die ersten zwei Stunden Geruchsartikel für Suchhunde Autismus und Wasser AirTag oder GPS-Tracker